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Konkordatslehrstühle

Sachlage

Ein sogenannter „Konkordatslehrstuhl“ ist ein Lehrstuhl, der nicht an einer theologischen Fakultät angesiedelt ist, bei dessen Besetzung die Katholische Kirche aber trotzdem ein Mitspracherecht hat. Grundlage für diese Lehrstühle sind Staatskirchenverträge (Konkordate), die zwischen dem Vatikan oder einem Bistum und den deutschen Bundesländern abgeschlossen wurden. Die Inhaber dieser Lehrstühle sind für die Lehre aller Studenten der jeweiligen Fakultät vorgesehen, nicht nur für die der Theologiestudenten.

Konkordatslehrstühle existieren vor allem in Bayern, aber auch in Bonn, Mainz und Freiburg.
 

a) Situation in Bayern

In Bayern gibt es momentan 21 Konkordatslehrstühle, deren rechtliche Grundlage der Artikel 3 des Bayernkonkordats ist [1]. Hinzu kommen noch an der LMU in München ein Guardini-Lehrstuhl an der Philosophischen Fakultät, sowie ein Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik in Würzburg. Bei einer Landtaganfrage 1997 ergab sich, dass somit 22,6 % der Pädagogik-, 25 % der Politikwissenschaft-, 33,3 % der Soziologie- 36,8 % der Philosophielehrstühle mit Erinnerungsrecht der katholischen Kirche besetzt wurden.  


b) Situation in Mainz

In Mainz gibt es zwei Konkordatslehrstühle (Geschichte und Philosophie) auf Grundlage der Staatskirchenrechtliche Vereinbarung zwischen dem Bischof von Mainz und dem Oberregierungspräsidenten von Hessen-Pfalz über die Katholisch- Theologische Fakultät der Universität Mainz von 1946 [2].

 
c) Situation in Bonn

Auch in Bonn gab es zwei Konkordatslehrstühle, ebenfalls für Philosophie und Geschichte. Universitätsangaben zufolge soll bei der Besetzung des Geschichtslehrstuhls die Konfession zuletzt bei Professor Dr. Konrad Repgen eine Rolle gespielt haben. Die Rechtsgrundlage ist hier eine Vereinbarung bei der Universitätsgründung 1818 durch den Preußenkönig Friedrich-Wilhelm III., dessen Namen die Universität auch trägt. Das Mitspracherecht der Kirche für diese Lehrstühle ist also fast 200 Jahre alt. In die neue Verfassung der Bonner Universität von 1991 wurden die Konkordatslehrstühle aber nicht mehr aufgenommen; es ist also davon auszugehen, dass sie nicht neu besetzt werden.

d) Situation in Freiburg

Das Badenkonkordat von 1932 garantiert zwei Konkordatslehrstühle (Philosophie und Geschichte) in Freiburg [3].

e) Düsseldorf, Köln und Münster

Keine Konkordatslehrstühle gibt es derzeit entgegen verbreiteter Informationen in Düsseldorf, Köln und Münster. 


Bewertung

Der Existenz von Konkordatslehrstühlen stehen hauptsächlich drei Artikel des Grundgesetzes entgegen

Artikel 3 GG:

(3) Niemand darf wegen [...] seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. [...]

Artikel 5 GG:

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. [...]

Artikel 33 GG:

(2) Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte.

Die selektive Bevorzugung bei der Besetzung von Lehrstühlen ist verfassungwidrig. Der Einfluss der Kirche auf das Hochschulwesen ist verfassungswidrig. Gerade in Bayern, wo es die meisten Konkordatslehrstühle gibt, wird der Gesetzgeber besonders deutlich: Die Zulassung zu den öffentlichen Ämtern ist von dem religiösen Bekenntnis unabhängig. [4] 

In der Zeitschrift "Erziehungswissenschaft" schrieb Prof. Dr. Max Liedtke im Jahr 2000 in seinem Beitrag "Brauchen wir noch Konkordatslehrstühle?":

Was die Qualifikationsansprüche für die Besetzung von Lehrstühlen betrifft, ist die Beibehaltung der Konkordatslehrstühle zudem deswegen problematisch, weil hier wegen der faktisch erforderlichen Religionszugehörigkeit ein geringerer Selektionsdruck besteht. [...] Geht man aber von einer aktiven Konfessionszugehörigkeit aus, ist der Bewerberkreis unterdessen in einem Maße eingeschränkt, dass ernsthaft auch zu bedenken ist, ob durch die konkordatäre Bindung nicht auch eine Minderung der Ansprüche an wissenschaftliche Standards zu befürchten ist.

Dr. Konrad Lotter meinte in einem Interview mit dem Magazin Telepolis:

Von den meisten anderen Professoren ist dagegen gar nicht bekannt, dass sie Inhaber von Konkordatslehrstühlen sind. Sie betätigen sich gewissermaßen undercover und lassen ihre Glaubensüberzeugungen unterschwellig in den wissenschaftlichen Diskurs einfließen. Leider sind viele Studenten naiv. Sie studieren Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaft oder Pädagogik und merken gar nicht, wie ihnen – über ihr Studienfach vermittelt – katholische Wertvorstellungen nahegebracht werden.
 
Univ.-Prof. Dr. iur. Hans Michael Heinig, Leiter des kirchenrechtlichen Institus der EKD, auf die Konkordatslehrstühle angesprochen: "Verfassungswidrig."

 
Fazit

Die Aufrechterhaltung der verfassungswidrigen Privilegierung der Katholische Kirche in Form von Konkordatslehrstühlen ist nicht hinnehmbar. Die entsprechenden Verträge sind zu kündigen, betroffene Gesetze und Landesverfassungen sind zu ändern. 

 

Eine Auflistung der einzelnen Konkordatslehrstuhlinhaber findet sich hier.

 



Links

Interview mit Konrad Lotter von Telepolis

Max Liedtke: Brauchen wir noch Konkordatslehrstühle?

Guardini-Professur

 

Fußnoten

[1] Artikel 3 Bayernkonkordat:

§ 1 Der Staat unterhält an den Universitäten Augsburg, München (Ludwig-Maximilians- Universität), Passau, Regensburg und Würzburg sowie an der Gesamthochschule Bamberg katholisch-theologische Fachbereiche in dem durch die Bedürfnisse von Forschung und Lehre nach Art. 4 §§ 1 und 2 gebotenen Umfang. Jeder dieser Fachbereiche umfaßt auch mindestens einen Lehrstuhl für die Didaktik des katholischen Religionsunterrichts.

§ 2 An den in § 1 genannten theologischen Fachbereichen werden Professoren und andere Personen, die zur Lehre berechtigt sind, vom Staate erst ernannt oder zugelassen oder Lehraufträge erteilt, wenn gegen die in Aussicht genommenen Kandidaten von dem zuständigen Diözesanbischof keine Erinnerung erhoben worden ist.

§ 3 Sollte einer der genannten Lehrer vom Diözesanbischof wegen seiner Lehre oder wegen seines sittlichen Verhaltens aus triftigen Gründen beanstandet werden, so wird der Staat unbeschadet der staatsdienerlichen Rechte alsbald auf andere Weise für einen entsprechenden Ersatz sorgen.

§ 4 Der Staat unterhält an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Bayreuth in einem für das erziehungswissenschaftliche Studium zuständigen Fachbereich mindestens je einen Lehrstuhl für katholische Theologie und einen Lehrstuhl für die Didaktik des katholischen Religionsunterrichts. Bei der Besetzung dieser Lehrstühle gelten die §§ 2 und 3 entsprechend. Die Vorschlagslisten für die Besetzung dieser Lehrstühle werden für die Universität Bayreuth vom katholischtheologischen Fachbereich der Gesamthochschule Bamberg, für die Universität Nürnberg-Erlangen vom katholisch-theologischen Fachbereich der Universität Würzburg erstellt. Für die Inhaber der Lehrstühle wird in dem Fachbereich, dem sie angehören, ein gemeinsames Institut errichtet.

§ 5 Der Staat unterhält an den Universitäten Augsburg, München (Ludwig-Maximilians-Universität), Passau, Regensburg und Würzburg sowie an der Gesamthochschule Bamberg in einem für das erziehungswissenschaftliche Studium zuständigen Fachbereich je einen Lehrstuhl für Philosophie, für Gesellschaftswissenschaften und für Pädagogik, gegen deren Inhaber hinsichtlich ihres katholisch-kirchlichen Standpunktes keine Erinnerung zu erheben ist. Bei der Besetzung dieser Lehrstühle gilt § 2 entsprechend.


[2] "Die zur wissenschaftlichen Ausbildung der Theologie-Studierenden notwendigen beiden Lehrstühle in der Philosophischen Fakultät (je ein Lehrstuhl für scholastische Philosophie und Geschichte) sind mit Persönlichkeiten zu besetzen, die nach dem Urteil des Bischofs (bzw. Bistumsverwesers) für eine einwandfreie Ausbildung der Theologie-Studierenden geeignet sind." In: Die Konkordate und Kirchenverträge in der Bundesrepulik Deutschland. Textausgabe für Wissenschaft und Praxis, hrsg. v. J. Listl, Bd. 2, Berlin 1987, S. 395-401 Abschnitt 4


[3] "Im Hinblick auf die in Artikel VII geforderte philosophisch-theologische Ausbildung wird der Badische Staat dafür Sorge tragen, dass an der Universität Freiburg je eine Professur für Philosophie und Geschichte besteht, die mit je einer Persönlichkeit besetzt wird, welche für die einwandfreie Ausbildungder Theologiestudierenden geeignet ist." In: Die Konkordate und Kirchenverträge in der Bundesrepulik Deutschland. Textausgabe für Wissenschaft und Praxis, hrsg. v. J. Listl, Bd. 1, Berlin 1987, S. 135-149 Schlussprotokoll zu Art. IX


[4] Artikel 107 Absatz 4 Bayerische Verfassung 

 

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Wusstest du schon...

...dass der Staat die Kirchensteuer (ca. 9 Milliarden €) für die Kirchen einzieht und diese dadurch Ausgaben in Höhe von ca. 1 Milliarden € einsparen?
 
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